Es ist der 19. Juli – ein sonniger Samstag – und die Uhr zeigt 18 Uhr. Die Stuhlreihen vor der großen Kinoleinwand auf dem Muckeplatz in Neu-Schmellwitz füllen sich mit zahlreichen Zuschauer*innen. Sie kommen für den Familienfilm ab 18.30 Uhr – doch es erwartet sie noch eine Überraschung.
Die Open-Air-Kinonächte finden 2025 bereits zum siebten Mal statt. Inzwischen ist es Tradition, dass der Muckeplatz für vier Tage zum Freiluft-Kino wird. Zwei Filme pro Tag, wechselndes Programm – und dieser Samstag ist der letzte Abend der diesjährigen kostenlosen Vorführungen. Ein besonderes Highlight steht bevor.
Erstmals wird ein Filmbeitrag aus einer Kindertageseinrichtung gezeigt. Der rund siebenminütige Kurzfilm läuft direkt vor dem Familienfilm. Entstanden ist der Film bei uns, wir beschäftigen uns seit einiger Zeit intensiv mit digitaler Medienbildung. Dafür wurde ein eigener Medienraum eingerichtet – mit Tools und Technik für Stop-Motion-Produktionen und Green-Screen-Arbeiten, die von den Kindern selbst umgesetzt werden.
Ein Stop-Motion-Film ist ein Film, der mit einer speziellen Animationstechnik hergestellt wird: Dabei werden unbewegliche Objekte oder Figuren für jede einzelne Aufnahme, also für jedes Einzelbild, minimal verändert oder verschoben. Diese Einzelbilder werden anschließend schnell hintereinander abgespielt. Dadurch entsteht für das menschliche Auge die Illusion einer flüssigen Bewegung.
Ein Green Screen (auch „Greenscreen“ genannt) ist eine spezielle Film- und Videotechnik, bei der Personen oder Objekte vor einem einfarbigen grünen Hintergrund gefilmt werden. Mithilfe einer bestimmten Technik wird dieser grüne Bereich in der Nachbearbeitung am Computer entfernt und durch beliebige andere Bilder, Videos oder digitale Hintergründe ersetzt.
Im benachbarten Kreativraum entstehen dazu Kulissen, Requisiten und weiteres Zubehör – alles Teil des pädagogischen Prozesses, begleitet durch Fachkräfte, die Hilfestellung geben, aber den Kindern viel kreativen Freiraum lassen. In den vergangenen Monaten sind dabei zahlreiche fantasievolle Kurzfilme entstanden.
Am 19. Juli war es dann soweit: Eine Auswahl dieser Werke – ergänzt durch einen kurzen Einblick in die digitale Projektarbeit – wurde erstmals öffentlich auf einer großen Leinwand gezeigt. Vor der Präsentation wurden wir von Michael Tietz, Hauptorganisator der Kinonächte, interviewt. Ziel der medienpädagogischen Angebote ist es, die kindlichen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Inhalten zu stärken und ihre Kritikfähigkeit zu fördern.
Im Mittelpunkt stehe jedoch die kreative Gestaltung. Kinder sollen nicht nur Inhalte konsumieren, sondern selbst gestalten – als Produzent*innen eigener Ideen.
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die Zuschauer*innen den Beitrag der Neu-Schmellwitzer Kita. Einige der jungen Filmemacher*innen waren sogar selbst vor Ort. Gemeinsam mit zwei pädagogischen Fachkräften standen sie anschließend vor der Leinwand – und erhielten für ihre Arbeit viel Applaus.
Hinter den Kurzfilmen steckt viel Detailarbeit, Engagement, Motivation und Einfallsreichtum. An diesem Abend – im Zentrum der Open-Air-Kinonächte – gehörte ihnen die Bühne. Ein Moment der Anerkennung, der Mut macht und Lust auf mehr weckt.