09.09.2026
Friedenskinder – Wenn Bücher eine Stimme bekommen
AWOBBSued/DFritsche

Die Theatergruppe Eukitea aus Berlin war erneut zu Gast an der Oberschule am Airport in Schönefeld. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Ensemble unsere Schülerinnen und Schüler mit einem Theaterstück zum Thema Cybermobbing unter Jugendlichen erreicht und für dieses wichtige Thema sensibilisiert. In diesem Jahr widmete sich Eukitea einem völlig anderen, aber nicht weniger bewegenden Thema: einer der dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte – den Bücherverbrennungen im Nationalsozialismus.

Was zunächst scheinbar „nur“ mit der Verbrennung von Büchern und der Verfolgung unliebsamer Gedanken begann, war der Auftakt einer tragischen Spirale, die wenige Jahre später im millionenfachen Mord an Juden und anderen verfolgten Menschen durch die nationalsozialistische Diktatur mündete.

Doch genau hier setzte das Theaterstück an: Kann man eine Idee vernichten, indem man ihr Buch verbrennt? Kann man die Gedanken eines Menschen auslöschen, indem man seine Gedanken, Ideale und Ideen verbrennt?

Eukitea gab den Büchern und ihren Autorinnen und Autoren eine Stimme. Sie wurden auf der Bühne lebendig, bekamen Gefühle. Plötzlich waren Bücher nicht mehr bloß Gegenstände aus Papier. Sie wurden zu Trägern von Gedanken, Erinnerungen, Hoffnungen und Träumen.

Der Titel der Aufführung – „Friedenskinder“ – wurde dabei zu einem wiederkehrenden Gedanken und Refrain. Die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer wurden immer wieder mit der Frage konfrontiert, was Frieden eigentlich bedeutet und wie leicht Menschlichkeit verloren gehen kann, wenn Ausgrenzung, Hass und die Verachtung anderer Menschen beginnen. Dabei blieb das Stück nicht in der Vergangenheit. Immer wieder war eine klare Anspielung auf unsere Gegenwart spürbar. Eine Welt, in der erneut Kriege geführt werden, Menschen ihre Heimat verlieren und unschuldige Zivilisten sterben, lässt unweigerlich die Frage aufkommen: Hat die Menschheit wirklich aus ihrer Geschichte gelernt?

Gerade diese Verbindung machte die Aufführung für die Schülerinnen und Schüler so eindringlich. Geschichte erschien nicht als abgeschlossenes Kapitel in einem Schulbuch, sondern als etwas, das uns auch heute noch betrifft. Denn „(…) Heute ist nicht damals – und morgen kann mehr sein als alles, was gestern war. (…).“ (Josefine Volk, Schauspielerin EUKITEA)

Dieser Satz wurde zu einer der stärksten Botschaften des Stückes. Er verbindet die Erinnerung an die Vergangenheit mit der Hoffnung auf eine andere Zukunft. Denn Geschichte soll nicht nur erinnern, sondern auch dazu beitragen, dass sich bestimmte Dinge nicht wiederholen. Gerade junge Menschen können entscheiden, wie dieses „Morgen“ aussehen soll.

Auch Nelly Sachs wurde im Theaterstück wieder zum Leben erweckt. Ihre Erfahrungen von Flucht, Verfolgung und Verlust prägten ihr Leben und ihr literarisches Werk tief.

Eines ihrer nachdenklichsten Zitate wurde im Theaterstück aufgegriffen: „(…) Denn ein Land kann uns niemals mehr Heimat sein, nur wo wir Liebe finden, sind wir zuhause. (…).“ (Nelly Sachs)

Am nächsten Tag folgte ein Workshop, in dem die Schülerinnen und Schüler die Eindrücke der Aufführung gemeinsam aufarbeiten konnten.

Dabei ging es um die Fragen, die das Theaterstück aufgeworfen hatte: um vergangene Zeiten und unsere Zukunft, um Krieg und Frieden, um Verfolgung und Hoffnung. Was passiert, wenn wir anfangen, bestimmte Meinungen, Menschen oder Gruppen auszugrenzen? Was geschieht, wenn wir nicht mehr zuhören? Und wie können wir verhindern, dass aus kleinen Formen der Ausgrenzung etwas Größeres und Gefährlicheres entsteht?

Besonders wertvoll war, dass dieser Workshop von den Schauspielerinnen und Schauspielern selbst gestaltet wurde. Dadurch konnten die Schülerinnen und Schüler die Menschen hinter der Aufführung noch einmal ganz anders erleben.

Die Erfahrungen aus Theateraufführung und Workshop haben gezeigt, wie wichtig solche Begegnungen für unsere Schülerinnen und Schüler sein können. Sie verbinden Geschichte mit Gegenwart. Eine Erfahrung, die wir mit Eukitea in den kommenden Jahren sehr gerne wiederholen möchten.

Denn vielleicht liegt genau darin die wichtigste Aussage von „Friedenskinder“- Wir können die Vergangenheit nicht verändern. Aber wir können entscheiden, welche Gedanken, welche Werte und welche Menschlichkeit wir in die Zukunft tragen.