Im Rahmen eines Projekttages besuchte uns Josephine Seiger, Sozialpädagogin für historisch-politische Bildungsarbeit des Landkreises Dahme-Spreewald, an mehreren Tagen in den 8. und 9. Klassen unserer Oberschule am Airport. Ziel war die Sensibilisierung rund um das Thema Krieg, Werte und Frieden. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Geschichte des Waldfriedhofs in Halbe – einem Ort, an dem sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine der schrecklichsten Schlachten auf deutschem Boden ereignete.
Die Jugendlichen begegten der Thematik mit großem Interesse. Durch die Bearbeitung einzelner Biografien zeigten die Schülerinnen und Schüler große Empathie – viele der gefallenen Soldaten waren damals nicht wesentlich älter, als sie es jetzt sind. Während des Unterrichts setzten sie sich unter anderem mit der Frage auseinander: „Wie konnte es so weit kommen?“ und stellten dabei einen direkten Bezug zur Gegenwart her.
Besonders eindrucksvoll war, dass die Referentin nicht nur erzählte, sondern auch Originalgegenstände in einem Fundstückekoffer mitbrachte. Diese gehörten einst Soldaten, Einheimischen und Flüchtlingen, die in der Kesselschlacht in den Wäldern um Halbe ihr Leben verloren. Die Jugendlichen konnten diese Objekte selbst in die Hand nehmen: eine eiserne Zigarettenschachtel, eine kleine Parfümflasche oder Spielzeuge von Kindern, die nach den Kämpfen verstreut im Wald gefunden wurden. Diese stillen Zeugnisse machten Geschichte auf sehr berührende Art erlebbar. Es waren Überreste eines Alltags, Fragmente eines Lebens – Erinnerungen an junge Menschen und Familien, deren Zukunft an jenem Tag für immer unterbrochen wurde.
Das große Interesse und die nachhaltige Wirkung des Workshops führten schließlich dazu, dass einige Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit uns von der Schulsozialarbeit, der Jugendfreizeiteinrichtung „Lagune“ und der Referentin den Waldfriedhof in Halbe selbst besuchten. Sie wollten mit eigenen Augen sehen, wo dieser Schrecken stattfand. Ein besonders bewegender Moment entstand, als die Jugendlichen vor den Gräbern der jungen Soldaten und Kinder standen. Die zuvor gehörten Geschichten erhielten dort eine neue, tiefere Bedeutung – und machten das Ausmaß der damaligen Ereignisse auf eindringliche Weise spürbar. Am Ende stellten die Schülerinnen und Schüler fest, dass Werte wie Mut, Respekt und Würde nicht von der Zeit abhängig sind.
