21.05.2026
Kitakollaps: Warum wir jetzt sichtbar werden
AWOBBSued/SFranke

Kinder brauchen Zeit. Familien brauchen Verlässlichkeit. Fachkräfte brauchen Bedingungen, unter denen gute pädagogische Arbeit überhaupt möglich ist. Doch genau das gerät zunehmend unter Druck. Auch wir in unseren Kitas erleben täglich, wie angespannt die Situation in der frühkindlichen Bildung inzwischen ist. Der Fachkräftemangel, steigende Anforderungen und unzureichende Finanzierung bringen viele Kitas an ihre Belastungsgrenze – nicht irgendwann, sondern jetzt. Mit unserer Beteiligung an der Aktion „Kitakollaps – Keine Reform ist keine Lösung!“ möchten wir stellvertretend für unsere Einrichtungen sichtbar machen, was sonst oft still im Alltag getragen wird.

Schon beim Betreten unserer Einrichtungen wird deutlich, worum es geht: Auf den Treppenstufen stehen die Anliegen, Sorgen und Forderungen unserer pädagogischen Fachkräfte und Familien geschrieben. Aussagen wie „Kinder brauchen Zeit“, „Gute Bildung braucht ausreichend Personal“ oder „Hier beginnt die Zukunft Ihrer Kinder“ machen deutlich, was auf dem Spiel steht.

Die aktuelle Entwicklung betrifft nicht nur die Mitarbeitenden in unseren Einrichtungen. Sie betrifft vor allem die Kinder. Wenn Personal fehlt, wenn pädagogische Fachkräfte ständig Ausfälle kompensieren müssen und Betreuung zunehmend nur noch „organisiert“ statt gestaltet werden kann, leidet die Qualität der frühkindlichen Bildung. Zeit für individuelle Förderung, Gespräche mit Familien oder echte Bildungsarbeit geht verloren. Besonders kritisch sehen wir die aktuelle Finanzierungssituation rund um lange Betreuungszeiten. Viele Träger stehen vor der Herausforderung, notwendige Betreuungsangebote aufrechtzuerhalten, ohne dass diese ausreichend finanziert werden. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Kitas stetig: Sprachförderung, Inklusion, Bildungsdokumentation, Kinderschutz und Elternarbeit gehören längst selbstverständlich zum Alltag – doch dafür braucht es ausreichend Personal und stabile Rahmenbedingungen.

Unsere Aktion richtet sich deshalb nicht gegen Familien oder Kinder. Im Gegenteil: Wir setzen uns genau für sie ein. Denn gute Kitas sind kein Luxus, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft.

Wir wünschen uns:

  1. eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung,
  2. realistische Personalschlüssel,
  3. bessere Arbeitsbedingungen für pädagogische Fachkräfte,
  4. und vor allem mehr Zeit für die Kinder.

Die große Beteiligung an den Fachgesprächen und Aktionen der vergangenen Wochen zeigt: Viele Menschen teilen diese Sorgen. Familien, Fachkräfte, Träger und politische Vertreterinnen und Vertreter kommen zunehmend miteinander ins Gespräch. Das ist wichtig – denn nachhaltige Veränderungen können nur gemeinsam entstehen.

Wir stehen für eine Pädagogik, die Kinder ernst nimmt, Familien begleitet und Gemeinschaft lebt. Damit das auch in Zukunft möglich bleibt, braucht es jetzt klare politische Entscheidungen und gesellschaftliche Unterstützung. Denn eines ist sicher: „Wer an Kindern spart, spart an unserer gemeinsamen Zukunft.“