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Unbegründete Ängste

21.01.2011 Trebbin.
Zehn Jahre nach Übergabe der Kinderbetreuung in private Trägerschaft.

 „Es waren Ängste, die Erzieher und Eltern vor zehn Jahren teilten, als Kindereinrichtungen in Trebbin aus kommunaler in private Trägerschaft von AWO und ASB wechselten", erinnert sich Trebbins Bürgermeister Thomas Berger.

Heute, zehn Jahre danach, scheint der kollektive Schock beim Übergang vom öffentlichen zum privaten Träger überwunden, denn weder Kündigungswellen noch Abstriche beim Kinderbetreuungsstandard sind eingetreten. Berger weiter: „Allein das jüngste Beispiel, bei dem sich zwei Zwölfjährige als ausgezeichnete Erst-Unfallhelfer bewährten, zeigt doch, dass die Sozialkompetenz unter den Kindern steigt. Ein Signal, das Hoffnung macht."

Auch die AWO (Arbeiterwohlfahrt) scheint für die Zukunft gut aufgestellt, wie beim jüngsten Treffen im Trebbiner Rathaussaal von Katja Hilbert zu erfahren war.

Als Fachbereichsleiter für den Bereich Kinder und Jugend im AWO Regionalverband Brandenburg-Süd liegt ihr beruflicher Fokus auf dem weiteren Ausbau des Kinderbetreuungsnetzes in den Bereichen Nuthe-Urstromtal, Trebbin, Königs-Wusterhausen, Lübben, Lübbenau, Großräschen, Senftenberg, Spremberg und Cottbus.
In 20 Kitas, davon vier Integrationskitas, werden derzeit rund 1.700 Kinder betreut. Und ab 2013, mit dem geplanten Beginn des gesetzlichen Betreuungsanspruchs für Kinder ab einem Jahr, werden die Zahlen der Kinder steigen, die in Kitas oder Tagesmutter-Einrichtungen strömen.

Wie sich der grassierende Fachkräftemangel jetzt und dann in zwei Jahren auswirken wird, darüber sprach der BlickPunkt mit Katja Hilbert. „Auch wenn wie hier in den sieben Trebbiner Kitas derzeit noch freie Kapazitäten existieren, macht sich der Fachkräftemangel bereits jetzt bemerkbar", weiß Hilbert, die den von der Landesregierung festgemachten Betreuungsschlüssel von eins zu sechs (ein Erzieher für sechs Krippenkinder) und eins zu 13 (ein Erzieher für 13 Kindergartenkinder) noch immer für unzureichend hält. Hilbert dazu: „Schon jetzt werden zunehmend Quereinsteiger eingestellt, die dann, als staatlich anerkannte Erzieher ausgebildet, dem ständig steigenden Personalbedarf begegnen sollen.

Den Weg zu uns fand neben einer Einzelhandelskauffrau und einer Krankenschwester auch ein ehemaliger Handwerker, der schon seit drei Jahren in einer unserer Einrichtungen arbeitet. Ob Erst- oder berufsbegleitende Ausbildung, die AWO betreibt dazu eine eigene Fachschule in Lübbenau."

Und nicht nur angesichts des für 2013 erwarteten Kita-Kinderzuwachses wird der Ruf nach neuen, gut ausgebildeten Pädagogen lauter. Hilbert: „Die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder nimmt zu. Damit steigt die Bedeutung der Integrationskitas und die Notwendigkeit nach speziell geschultem Personal allgemein." Doch auch außerhalb der Integrationskitas steigt der Bedarf spezieller Förderung. In Regelkitas setzt man dabei auf Einzelintegration auffälliger Kinder.
„Diese zusätzliche Betreuungsarbeit können Regelkitas mit normaler Personalstärke nicht mehr leisten", meint Hilbert, die zudem mangelnde Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Kita als einen der Gründe sieht, dem Thema Verhaltensauffälligkeit rechtzeitig und effizient begegnen zu können. Und parallel zum steigenden Betreuungsbedarf einzelner Kinder steigt auch die Bedeutung der in den Kitas ehrenamtlich beschäftigten Mitarbeiter. „Grundsätzlich wird die Arbeit der Ehrenamtlichen leider noch immer nicht ausreichend anerkannt.

Mit welchem Engagement sich diese Frauen und Männer einbringen und damit zusätzlich zu dem Kita-Schlüssel die Betreuungsarbeit insgesamt verbessern, ist einfach toll", sagt Hilbert, und ergänzt, dass in den AWO-Einrichtungen alle Ehrenamtler voll ins Team integriert sind. „Ob nun die Leseoma, die ein Mal pro Woche in der Trebbiner Kita „Sonnenblume" vorliest, Väter, die die Kinder in den Naturschutz einführen oder all die anderen ehrenamtlichen Kräfte, sie alle verdienen unsere Anerkennung", sagt Hilbert.

fdk


A.d.R.
Der von der Landesregierung festgemachte Betreuungsschlüssel beträgt 1 zu 12 (ein Erzieher für 12 Kindergartenkinder)