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Öko versus konventionell

07.06.2021
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Kemlitz
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Quelle: AWO Reha-Gut Kemlitz gGmbH
Teltow-Fläming | Kemlitz.
Zwar gibt es inzwischen immer mehr ökologisch bewirtschaftete Flächen in Brandenburg. Das Gros der Betriebe aber arbeitet nach wie vor konventionell. Zwei Spreewald-Landwirte berichten.

Für die Schweine auf Gut Kemlitz im Landkreis Teltow-Fläming ist das Suhlen im Dreck eine Selbstverständlichkeit. Auf ihren Außenflächen können sie diesem Vergnügen den ganzen Tag übernachgehen – frische Luft und Sonnenlicht inklusive. Freilandhaltung – wenn auch nicht auf der Weide, aber zumindest mit Auslauf am Stall – ist in konventionell geführten Landwirtschaftsbetrieben längst nicht gang und gäbe. Für Heiko Terno, den Chef des AWO Reha-Gutes Kemlitz, aber nicht wegzudenken. Das Wohl der Tiere ist ihm wichtig, sagt er. Und Freigang gehöre dazu. Die Schweine, die Terno als „Märkische Kartoffelschweine“ vermarkten lässt, werden vor allem mit Kartoffeln von den eigenen Feldern gefüttert. Um die Schlachtung und Weiterverarbeitung kümmert sich ein Fleischer in der Nähe. Der schlachtet die Tiere einzeln; das sei zwar kostenintensiver als Massenschlachtung in großen Schlachthöfen, führe jedoch zu einer hervorra-genden Fleischqualität, verspricht der Geschäftsführer. Die Schweine bedeuten für den Betrieb allerdings nur ein Zubrot; auch weil viele Verbraucher wegen des Überangebotes durch Massentierhaltung nicht bereit seien, für Schweinefleisch einen fairen Preis zu zahlen, wie Terno sagt.

Jedenfalls liegt das Hauptaugenmerk des Gutes auf der Milchkuhhaltung. Rund 350 Tiere, die größtenteils aus eigener Nachzucht stammen, stehen im Stall oder auf der Weide – je nach Jahreszeit. Die 9000 Liter Milch, die die Tiere jeden Tag geben, werden an eine Molkerei in der Nähe geliefert. Gleichzeitig bewirtschaften die Mitarbeiter des AWO Reha-Gutes Kemlitz gGmbH am Rande zum Spreewald etwa 1000 Hektar Acker- und Grünland. Kartoffeln, Getreide und Grünfutter werden selbst verarbeitet und verkauft oder an die eigenen Tiere verfüttert. So schließt sich der Kreislauf; auch das ist in der konventionellen Landwirtschaft nicht selbstverständlich.

Doch während der Betrieb auf Wachstumsförderer im Tierfutter verzichtet, will Heiko Terno am Einsatz von Pflanzenschutzmitteln festhalten. Zu groß sei der manuelle Aufwand im Öko-Landbau, sagt er. Gleichzeitig seien die Standards für Pflanzenschutzmittel hoch und im Endprodukt würden sich keine Rückstände mehr finden, sodass der Verbraucher keine Angst vor gesundheitlichen Schäden haben müsse. Teile des Gutes auf Bio umzustellen, könne er sich durchausvorstellen, meint der Geschäftsführer. Doch das sei nicht möglich. Die Vorgabe von der Politik laute: ganz oder gar nicht. Also bleibe er lieber bei konventionell. Zumal der Unterschied zu öko relativ gering gehalten werden könne. „Große Tierbestände und Flächen bedeuten nicht automatisch Tierquälerei und Raubbau an der Natur“, sagt Terno. Auch konventionell geführte Betriebe könnten tiergerecht und nachhaltig arbeiten.

Für Lucas Lütke Schwienhorst kommt indes ausschließlich Öko-Landbau infrage – auch, weil er darin den Schlüssel zu gesunder Ernährung und nachhaltiger Landbewirtschaftung sieht. Auf den insgesamt rund 450 Hektar großen Äckern und Weiden des Gutes Ogrosen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz verzichtet der Biobauer ganz bewusst auf Chemie und synthetisch hergestellten Stickstoff. Unkraut bekämpft er unter anderem mechanisch mit der Hacke oder dem Striegel. Allerdings fährt er dabei keine Null-Toleranz-Strategie. Für den Roggen zum Beispiel seien Vogelmiere, Taubnessel, Spörgel oder Ackerstiefmütterchen unproblematisch, sagt Schwienhorst. „Weil der Roggen das überwächst und diese Kräuter schon im zeitigen Frühjahr blühen und dann absterben.“

Anders sieht es zum Beispiel mit Kornblumen im Wintergetreide aus. Je nach Kulturart gibt es also unterschiedliche Problemkräuter – in einer Kultur können sie sehr nachteilig sein und in anderen total unproblematisch. Wichtigstes Instrument gegen Problemkräuter ist eine weite Fruchtfolge mit vielen Fruchtfolgegliedern. Ebenso seien vorausschauendes Planen und ein frühzeitiges Erkennen von Problemen unerlässlich. Auf rund 190 Hektar baut Schwienhorst ein Gemisch aus Klee- und Luzernegras an, das von Wildkräutern durchzogen ist und an die rund 120 Milchkühe verfüttert wird. Der zweijährige Anbau der Leguminosen dient auch der Unkrautunterdrückung, vor allem aber der natürlichen Stickstofffixierung. Und ersetzt dadurch den Einsatz von synthetischem Stickstoff. Denn Klee und Luzerne reichern den Boden mit dem wichtigen Nährstoff an. Der kommt dann der nächsten Kultur zugute, die eben nicht in der Lageist, Stickstoff aus der Luft zu ziehen und im Boden zu binden.

Schwienhorst setzt auch auf Kleinteiligkeit. 15 Kulturen erntet er jedes Jahr. Und probiert viel aus. In diesem Jahr testet er den Anbau von Kichererbsen. Weil die in der Region nicht verbreitet, aber insbesondere in der vegetarischen Lebensmittelproduktion sehr gefragt sind, erhofft sich der Landwirt gute Marktchancen. Schwienhorst vermarktet seine Erzeugnisse deutschlandweit, zum großen Teil aber regional. Roggen, Dinkel, Hirse, Buchweizen oder Sonnenblumen werden von seinen Abnehmern zu Mehl, Brot oder Öl weiterverarbeitet. Die Milch der hofeigenen Kühe wird in der eigenen Käserei weiterverarbeitet oder abgegeben –
und sie wird als Heumilch vermarktet.

Grundlage dafür bietet die Heutrocknungsanlage, dank der die Tiere nur noch mit Heu gefüttert werden; mal abgesehen von den Zeiten, in denen sie auf der Weide stehen. Auf Silage jedenfalls kann Schwienhorst verzichten. Und das bedeutet einen geschmacklich hochwertigeren Käse, der obendrein auch gesünder sein soll als jener, der aus Standardmilch hergestellt wird. Neben Käse, Quark und Joghurt landen im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt auch verschiedene Fleisch- und Wurstsorten aus eigener Tierhaltung. Grundlage dafür liefern unter anderem die Mastschweine, die bei Lucas Lütke Schwienhorst ebenso wie bei Heiko Terno in einem mit Stroh eingelegten Offenstall leben.

Fotos: AWO Reha-Gut kemlitz gGmbH/MiradaFotografie
Text: Harriet Stürmer/Lausitzer Rundschau

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