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Kita-Kampagne - Fachtag im Alten Rathaus

03.06.2009 Gleich zu Beginn stand die Aktion „Dann machen wir `ne Fachkraft selber“ statt. Mit Unterstützung von KunstpädagogInnen der Kinder-Galerie Sonnensegel e.V. bastelten sich Kinder die ihnen fehlenden ErzieherInnen selbst. Erstaunlich dabei: die Kinder bestalten vornehmlich männliches Personal...
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Die ca. 150 Vertreterinnen und Vertreter aus der Kita-Praxis hatten sich in Potsdam eingefunden, um ihrem Anliegen, bessere Rahmenbedingungen in den Kitas einzufordern, Nachdruck zu verleihen und Wege für die Zukunft einzufordern.

„Kindertagesstätten sind außerhalb der Familie der erste Bildungsort für unsere Kinder. Damit werden gerade in diesen Einrichtungen die Grundlagen für den weiteren Bil-dungswerdegang geschaffen“, so Andreas Kaczynski, Vorsitzender der LIGA.
Wie wichtig diese Grundlage ist verdeutlichte u.a. die Podiumsdiskussion „Auf den Anfang kommt es an!“ an der Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht, die Autorin eines bundesweiten Ländermonitorings der Bertelsmann Stiftung Katrin Bock-Famulla, Armin Schubert von Sonnensegel e.V., Martin Cramer von PART, Gabriele Bringer vom Stresszentrum Berlin, Ingrid Pöhl als Kita-Leiterin und Andreas Kaczynski als Ver-treter der LIGA, teilgenommen haben.
Dass Kindertagesstätten mehr sind als eine Betreuungs- und Versorgungseinrichtung für unsere Jüngsten, während deren Eltern beschäftigt sind.
An welchen Stellen die Rahmenbedingungen für die frühkindlichen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebote im Vergleich mit anderen Bundesländern hinter-herhinken, zeigte Kathrin Bock-Famulla von der Bertelsmann Stiftung in ihrem Fach-vortrag „Frühkindlicher Bildungsreport 2008 – wo steht Brandenburg?“. Die quantitative Infrastruktur sei im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr gut ausgebaut und die Kita-Angebote werden massiv genutzt so Bock-Famulla. Auch Modellprojekte, die Qua-litätssicherung anstreben, würden mehr als in anderen Ländern gefördert. Das System schwächelt aber u.a. deutlich beim Personalschlüssel und konterkariert damit ver-schiedene Bemühungen der Qualitätsverbesserung. Sowohl in der Betreuung von unter 3-Jährigen als auch bei den über 3-Jährigen gehöre Brandenburg zu den Schluss-lichtern. So liegt die Erzieher-Kind-Relation für unter 3-Jährige bei rund 1/7 und bildet damit die traurige Spitze im Ländervergleich. Bei den über 3-Jährigen liegt die Quote von 1 Erzieherin bzw. Erzieher bei 1/13 Kindern, auch damit ist die Belastung für die ErzieherInnen im Ländervergleich unverhältnismäßig hoch. Durch Fehlzeiten wegen Krankheit, Urlaub und Fortbildungen werden noch viel mehr Kinder von einer ErzieherIn betreut. Dabei kommen die individuelle Förderung und sinnvolle Bildungsangebote zu kurz.

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Auch Eltern und Kinder wollen sich damit nicht abfinden und sorgten für Aufmerksamkeit. Ca. 10.000 Unterschriften wurden bereits gesammelt und heute durch Anne Böttcher, Geschäftsführerind es AWO Landesverbandes Brandenburg, an Minister Holger Rupprecht in einem Koffer für die bildungspolitische Reise überreicht.
„Wir fordern mit unserer Kampagne u.a. eine geringere Kinderanzahl pro Erzieherin und Erzieher", so Andreas Kaczynski.
„Außerdem benötigen sowohl Erzieherinnen und Erzieher als auch die Leitungskräfte von Kindertagesstätten mehr Zeit, um den gesetzlichen Bildungsauftrag umzusetzen, aber auch um den eigenen Ansprüchen an gute Erziehungs- und Bildungsarbeit gerecht zu werden. Das heißt mehr Zeit für das einzelne Kind, mehr Zeit für Vor- und Nachbereitungsarbeiten, mehr Zeit für Gespräche mit den Eltern“ ergänzt Anne Bött-cher (AWO-Landesgeschäftsführerin). Andreas Kaczynski betonte auch, dass es einer angemessenen Freistellung der Leiterinnen und Leiter von Kindertageseinrichtungen für ihre Leitungstätigkeiten und mehr fachliche Beratung bedarf.
Insgesamt würden nach LIGA-Berechnungen die Forderungen (nachzulesen unter www.kita-ist-bildung.de bzw. in vorliegender Pressemappe) dem Land 1,95 € pro Kind und Tag mehr kosten. Dies ist den Vertretern der Wohlfahrtsverbände mehr als bewusst, sie unterstreichen jedoch auch folgenden Satz: „Jetzt investieren, statt später reparieren“. Die Reparaturkosten jedoch wären nach wissenschaftlichen Untersuchun-gen deutlich höher, als was man jetzt in die Hand nehmen müsste.

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